Das Schwazer Bergbuch von 1556

Schwaz hatte wegen seiner reichen Silber- und Kupfererzvorkommen im 15. Jh. überregionale Bedeutung erlangt und nahm im Bergbau eine Spitzenposition ein. Daher wurde Schwaz "Aller Bergwerk Mutter" genannt. Durch den Zustrom von Bergleuten wuchs die Einwohnerzahl rasch, sodaß im Jahre 1510 dieses Dorf in Tirol nach Wien der einwohnerreichste Ort Österreichs war.

Durch das Schwazer Bergbuch sind wir über die damaligen Begebenheiten äußerst gut informiert, denn es bietet einen großartigen Einblick in die bergtechnischen, bergrechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse jener Zeit. Wegen ihrer Bedeutung als Quelle ersten Ranges über den Schwazer Bergbau gilt die Handschrift als besonders kostbares Juwel des europäischen Schrifttums.

Der Inhalt des Buches reicht von bergrechtlichen Bestimmungen, der Bedeutung des Bergbaus für den Landesfürsten, Tätigkeiten, Maßen und Werkzeugen der Bergleute bis zu Gerichtsverfahren und Musterentscheidungen. 

Als Verfasser des Textes lässt sich der ehemalige Berggerichtsschreiber zu Schwaz Ludwig Läßl (gest. 1561) identifizieren. Er war von Berufs wegen mit allen Abläufen eines so großen Montanunternehmens vertraut, deren Kenntnisse dem Verfasser des Bergbuches zwangsläufig zugesprochen werden müssen. Beim Maler der fast hundert Miniaturen und den angeschlossenen Falttafeln mit topographischen Darstellungen verschiedener Bergwerksreviere handelt es sich um den in Schwaz ansässigen Maler Jörg Kolber.

Das Buch wurde nicht gedruckt, sondern in nur wenigen Exemplaren handschriftlich verfaßt und illustriert. Es richtete sich somit nicht an die Allgemeinheit, sondern an einen kleinen, ausgesuchten Kreis. Es werden elf Exemplare in Archiven und Bibliotheken (u.a. drei Stück in der Bibliothek des Ferdinandeums, Innsbruck) verwahrt. 


Die Miniaturen

Die fein kolorierten Federzeichnungen gewähren uns Einblick in die Vielzahl der Tätigkeiten im Bergbau und vermitteln uns einen Eindruck von den Arbeitsgeräten sowie von der Arbeitskleidung der Bergmänner und der Hofkleidung der hohen Beamten. 

Im Vergleich zum berühmten Bergbauhandbuch des Agricola (De re metallica libri XII, gedruckt 1556), das im wesentlichen den Stand der Bergbautechnik beschreibt, zeichnet sich das Schwazer Bergbuch durch seine umfassende Darstellung des Bergbaus in sämtlichen Aspekten und durch seine farbenprächtigen Illustrationen aus.


Eine Auswahl der wunderbaren Zeichnungen:
(Alle Bilder können vergrößert werden)

Bergwerksbetrieb

Einblicke

Hammerschmiede

Haspel


Schmelze

Silberbrennen

Gezähe

Grubenschreiber


Durchschlag

Fröner

Grubeneigner

Herrenhauer


Herrenarbeiter

Lehentschaft

Knappenarbeit

 

Keiltreiben


Holzmeister

Vermesser

Messingerzeugung

Münzprägung


Neuschurf

Vermesser

Vermesser

Vermesser


Berggerichtsgeschworenen

Erzlosung

Lehenthauer

Truhenläufer


Wasserader

Venediger

Schmelze

Schiner


Hutmann

Bergrichter

Landrichter

Hutmann

 


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